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Dieses Buch ist die Mitschrift eines Seminars, das im Rahmen der
Astrologieausbildung des "Centre
for Psychological Astrology" in London abgehalten wurde.
Der vorliegende Ausschnitt wurde leicht gekürzt.
Der absteigende Mondknoten und
das lunare Prinzip
Um den südlichen (absteigenden) Mondknoten zu erklären, werde ich zunächst einiges über den Mond sagen und was ich unter dem lunaren Prinzip verstehe. In welchem Zeichen auch immer sich Ihr südlicher Mondknoten befindet, es zeigt an, wie die Energie des absteigenden Mondknotens arbeitet. Das Haus, in dem der südliche Mondknoten steht, verweist auf den Lebensbereich, in dem sich diese Energie ausdrückt. Das Gleiche gilt für den nördlichen Mondknoten. Beim südlichen Mondknoten finden wir bestimmte Antriebe in uns, den Drang, zurückzugehen, einen instinkthaften Wunsch, ein Verlangen, das Gewohnte zu tun. Man handelt nach dem Instinkt, automatisch, oder nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes. Diese Begierde wird mit dem Zeichen und Haus des südlichen Mondknotens in Verbindung gebracht. Es handelt sich um instinktive Eigenschaften, Tendenzen oder Seinsweisen. Es ist die Art, wie wir der Welt instinktiv begegnen.
Was ich betonen möchte ist, dass wir alle irgendwo
in uns eine wesentliche Spaltung haben, einen starken Drang in zwei
verschiedene Richtungen. Es handelt sich um einen wesentlichen Konflikt
zwischen dem instinktiven, triebhaften und gewohnten Handeln in bestimmten
Situationen, und der Fähigkeit, uns dafür zu entscheiden,
bewusst anders zu handeln als wir es normalerweise tun würden.
In ihrem Buch The Inner World of Choice beschreibt Frances Wickes
Momente in unserem Leben, in denen wir an einem Ende angekommen sind
und es zwei Wege gibt, für die es sich zu entscheiden gilt.
Wir können in ein altes Muster zurückfallen und in gewohnter
Weise reagieren, oder wir betrachten die Situation und sagen: "Nein,
ich möchte jetzt nicht so handeln wie ich es immer tat." Hier
kann man sich entscheiden. Wir können sagen: "Ich werde
es dieses Mal bewusst anders machen. Ich werde etwas Neues einbringen".
Dann haben wir es geschafft, zu agieren und nicht nur zu reagieren.
Denn der südliche Mondknoten ist eher der reaktive Part, jeweils
gefärbt von der entsprechenden Position in Haus und Zeichen.
Wir handeln so, weil es uns vertraut ist, dies so zu tun – wir
handeln prompt und entsprechend unserer Natur.
Der nördliche Mondknoten jedoch bringt uns jedoch eher zum
aktiven Handeln und weniger zum bloßen Reagieren. Wir können
uns entscheiden, wir können verschiedene Wege erkennen und denjenigen
frei wählen, der nicht gerade der instinktivste ist. Es ist
die bewusstere Möglichkeit. Deshalb bezeichne ich den nördlichen
aufsteigenden Mondknoten als solar – vom Prinzip her. Er kommt
vom Herzen und vom Kopf und weniger aus dem Bauch heraus.
Mondgöttinnen
Mit Mythen kann man das, was ich beim Südknoten als "Mondprinzip" bezeichne,
ganz gut verstehen, weil es sich hier um einen Drang aus der Vergangenheit
handelt, um das Instinktive und Gewohnte. Die Mythen werden uns zu
einem besseren Verständnis helfen. Wenn der absteigende Mondknoten
in Ihrem Leben zum Zug kommt, dann handeln Sie nach dem Mond, dann
reagieren Sie einfach nur instinktiv und treffen keine eigene Wahl.
Sie werden von Gefühlen geleitet und alles, was Sie tun, geschieht
unwillkürlich und aus Gewohnheit.
Ich setze nun die Mondgöttin Ishtar, eine babylonische Göttin,
mit dem südlichen Mondknoten gleich. Ich nehme Ishtar als Symbol,
weil sie sich allem, was daherkommt, oder allem, was sie fühlt,
hingibt. Ishtar ist die Gattin von Tammuz. Sie leben sechs oder sieben
Monate im Jahr in absoluter Glückseligkeit zusammen. Sie verkörpert
die Natur und die Erde, während Tammuz den Leben spendenden
Geist darstellt. Er
gibt ihr Geist, er macht sie fruchtbar und sie sind sehr glücklich
miteinander. Das ist Frühling und Sommer.
Alles blüht und gedeiht, und Ishtar gibt sich der Freude hin.
Dann geschieht etwas. Als der Sommer vorbei ist und der Winter kommt,
wird sie wütend auf Tammuz und tötet ihn. In manchen Versionen
wird er einfach von irgendwem getötet. Er steigt hinab in
die Unterwelt. Anstatt sich der Freude und Ekstase hinzugeben,
wird Ishtar
traurig und verzweifelt, fühlt sich leer. Sie ist betrübt
und trauert um ihn. Es ist Winter. Es ist eine Zeit des Ausgesperrtseins.
Der kreative Geist fehlt. Dann geht sie in die Unterwelt, und meistens
streitet sie mit ihrer bösen Schwester, um ihren Gatten zurückzubekommen.
Sie erhält ihn zurück, und für die nächsten
sechs oder sieben Monate sind sie wirklich glücklich und selig
zusammen und kommen bestens miteinander aus. Alles blüht.
Nach einer gewissen Zeit verurteilt sie ihn zum Tode. Oder sie
bekommen Ärger
und er stirbt. Sie wird traurig und fühlt Schmerz und Elend.
Das ist die zyklische Natur des Lebens, die der Mond symbolisiert.
Beim absteigenden Mondknoten geben wir uns der Freude hin. Dann
kommt der Schmerz und wir geben uns dem Schmerz hin, dann geben wir
uns wieder der Freude hin, und dann wieder dem Schmerz. Es geht hier
darum, sich dem jeweiligen Gefühl, das auftaucht, zu öffnen,
und mit diesen Empfindungen zu leben, anstatt zu sagen: "Wie
sollte ich mich fühlen? Wie sollte ich sein?" Wir sind
das, was wir fühlen. Rein emotional. Es ist, als hätten
wir zehn Planeten im Krebs. Es ist das, was man im Moment fühlt.
Was wir an einem Tag empfinden, gilt am darauf folgenden Tag schon
nicht mehr. Wir erlauben uns, all das zu fühlen. Manche Menschen
werden dadurch fast wahnsinnig, weil sie nicht wissen, womit sie
demnächst rechnen können. An einem Tag fühlt man sich
so, am anderen Tag wieder ganz anders.
Dieses Bild sollten wir im Kopf haben, wenn wir unseren südlichen
Mondknoten nach Zeichen und Haus betrachten, weil es eine Art des
Seins beschreibt, der man sich unwillkürlich hingibt oder in
die man sich hineinbegibt. Es ist eine Art, die wir sehr früh
in unserem Leben entwickelt haben, oder, wenn Sie an die Theorie
von Karma und Reinkarnation glauben, dann ist es eine bestimmte Seinsweise,
die wir schon oft zuvor gelebt haben, ein Lebensstil oder eine Seinsweise,
die uns sehr vertraut ist.
Ich möchte, dass Sie den absteigenden Mondknoten als etwas
betrachten, das in diesem Leben instinkthaft ist, jedoch aus einem
früheren Teil dieses Lebens – aus der Kindheit stammt.
Ich muss nicht ganz bis in frühere Leben zurückgehen, um
dem absteigenden Mondknoten einen Sinn abzugewinnen, Sie können
das aber tun, wenn Sie wollen. Ich denke, Sie können den südlichen
Mondknoten als etwas Instinktives verstehen, als etwas, das sehr
früh in unserem Leben geformt wurde. Oder wir sind einfach nur
mit einer Neigung auf die Welt gekommen, genau jenes automatisch
zu tun.
Einige von den Lektionen, die wir bereits gelernt haben, die wir
als etwas Vertrautes in dieses Leben mitbrachten, und die uns in
früher Jugend beigebracht wurden, sind gut. Sie werden diese
nicht wegwerfen wollen, denn Sie brauchen sie noch. Das ist so, als
würde man lernen, dass die eingeschaltete Herdplatte heiß ist,
indem man sie anfasst. Es ist eine nützliche Erfahrung. Sie
werden das nicht vergessen können. Es wird bestimmte Qualitäten
des Zeichens geben, in dem sich Ihr absteigender Mondknoten befindet,
und bestimmte Eigenschaften bezüglich des Lebensbereiches, der
durch das Haus angezeigt wird, in dem er steht, die besagen, dass
Sie angeborene Gaben besitzen. Sie haben angeborene Talente. Sie
haben bestimmte Fähigkeiten.
Tracy Marks sagt in ihrem Buch Astrologie der Selbstentdeckung,
man solle das Beste aus seinem absteigenden Mondknoten herausholen,
die besonderen Fähigkeiten, die er einem beschert, einfordern,
bewahren und weiterentwickeln. Mit einem südlichen Mondknoten
in der Waage hat man eine angeborene Fähigkeit, Kompromisse
zu schließen, auszugleichen oder diplomatisch zu sein. Das
bedeutet nicht, dass man das nie tun sollte. Es bedeutet nur, dass
man Probleme bekommt, wenn man es zu automatisch macht, wenn man
es in jeder Situation vollführt. Wo es doch manchmal besser
wäre, wenn man anders reagieren und sich mehr durchsetzen würde,
wenn man egozentrischer wäre. Nur, wenn man den absteigenden
Mondknoten übertreibt, wenn man immer auf das Gewohnte zurückgreift
oder in dieser Lebenssphäre stecken bleibt, dann bekommt man
gerade dadurch auch Probleme.
Der aufsteigende Mondknoten und das solare Prinzip
Wir kommen nun zum aufsteigenden Mondknoten. Als Beispiel nehme
ich hier Isis und Osiris. Ich hatte gesagt, dass Isis die ägyptische
Mondgöttin ist. Eines der Symbole für Isis ist die Schlange
mit dem Kopf nach unten. Während Isis den Instinkt und die zyklische
Seite der Natur symbolisiert, steht Osiris für Vernunft. Er
war Lehrer für das Volk. Er brachte ihm Mathematik und Ackerbau
bei. Wir sehen hier bereits ein solares Prinzip des Nordknotens.
Isis und Osiris bringen Horus zur Welt, der mit dem Adlerauge. Horus
steht gleichzeitig für Sehen und Handeln. Das möchte ich
betonen. Horus ist eine Kombination von Bewusstheit und Handlung.
Er verkörpert die erweiterte Wahrnehmung, und auf der Basis
des erweiterten Bewusstseins handelt er. Es geht darum, das ganze
Bild zu sehen, Konflikt und Spannung zu erkennen. Man muss erkennen,
dass man die Wahl hat, und dass man dann eine Entscheidung fällt
oder auf der Basis der Bewusstheit handelt.
Denken Sie an diese beiden Wörter – Wahrnehmung und Handlung.
Wir werden darauf zurückkommen, wenn wir die Polarität
des nördlichen und südlichen Mondknotens klären werden.
Beim aufsteigenden Mondknoten befinden wir uns in einer Situation,
in der wir eine Entscheidung fällen müssen, die konstruktiver
oder entwicklungsfördernder ist. Wir müssen dies tun, selbst
wenn es nicht dem instinktiven Weg entspricht, selbst wenn es nicht
unwillkürlich geschieht. Wenn wir über den aufsteigenden
Mondknoten sprechen, dann geht es um eine kleine Anstrengung, die
gemacht werden muss, um diese Eigenschaften zu entfalten oder uns
in diesem Lebensbereich zu entwickeln. Wir werden auch auf den Willen
zu sprechen kommen. Ich möchte den Willen definieren. Es geht
um den Vergleich von Instinkt und Wahl, einerseits um vorprogrammiert
oder stereotyp und andererseits um die gewollte Entscheidung für
eine verantwortungsvolle Handlung, bei der man nicht nur reagiert.
Wenn Sie Ihr Leben betrachten, werden Sie feststellen, dass Sie oft
auf dieser Wippe stehen, wo Sie zwischen den beiden Wegen hin- und
herwanken. Sie werden erkennen, dass immer das Gleiche passiert,
wenn Sie den gewohnten Weg wählen. Wenn Sie aber eine neue Entscheidung
treffen, dann können ganz neue Dinge geschehen.
Sonnengötter
Wir hatten über die Mondgöttinnen gesprochen, die mit
allem, was kommt, einfach mitgehen, und die sich jedem, der ihnen
begegnet, hingeben. Die Sonnengötter sind anders. Der Mythos
von Gilgamesch ist ein interessantes Beispiel hierfür. Er ist
ebenfalls babylonischen Ursprungs. Gilgamesch ist ein solarer heldenhafter
Gott, deshalb werde ich ihn als Symbol für den nördlichen
Mondknoten verwenden. Er hat eine Aufgabe. Er muss irgendwohin gelangen.
Er hat ein Ziel. Er hat die Entscheidung getroffen, einen bestimmten
Weg einzuschlagen. Als er seinem Ziel entgegengeht, wer läuft
ihm da über den Weg? Ishtar, die Mondgöttin. Sie sagt: "Komm
mit mir." Sie will ihn verführen und von seiner Wahl abbringen,
von dem, was er bewusst erreichen will. Mit dieser Verführung
kommt er ganz gut klar. Er sagt: "Vielen Dank, aber ich habe
zu tun."
Diese einfache Geschichte möchte ich genauer betrachten. Es
geht darum, wie wir von Instinkten und Gefühlen geleitet werden
und dadurch von dem abgebracht werden, was wir bewusst erreichen
oder inuns entwickeln möchten. Folgendes Beispiel habe ich vor
vielen Jahren schon einmal in einem anderen Zusammenhang vorgetragen.
Es ist eine Geschichte über Diana Whitmore. Sie ist einverstanden,
dass ich sie erzähle. Diana leitet ein Lehrinstitut für
Psychosynthese in England. Ursprünglich studierte Diana bei
Assagioli, der die Psychosynthese entwickelt hat. In der Psychosynthese
geht es um psychologisches Wachstum, bei dem die gesamte Person in
Betracht gezogen wird. Assagioli war bereits alt und krank, und Diana
hat ihn gepflegt als er starb. Er sagte zu ihr: "Ich möchte,
dass Du anfängst zu lehren und Vorträge über Psychosynthese
hälst, weil ich denke, dass Du viel davon verstehst." Wenn
man mit jemandem spricht, der gerade stirbt, dann passiert es oft,
dass der Sterbende einem einen Auftrag gibt. Assagioli knechtete
Diana regelrecht. Als er zu ihr sprach, reagierte sie völlig
entsetzt. Die Idee, diese Verantwortung zu übernehmen, vor einer
Gruppe zu stehen und einen Vortrag zu halten, erschreckte sie zutiefst.
Ihre unmittelbare Reaktion, ihre instinktive Reaktion – ihr
südlicher Mondknoten – war: "Nein!" Am liebsten
wäre sie wollte davongelaufen.
Beobachten Sie diese Art von Reaktion in Ihrem Leben. Sie können
versuchen, sie mit dem Haus und dem Zeichen Ihres absteigenden Mondknotens
in Bezug zu setzen. Möglicherweise kann die Reaktion mit Ihrem
Mond in Verbindung stehen und manchmal sogar mit Ihrem Saturn, wenn
Sie instinktiv davonrennen möchten oder wenn Sie das Gefühl
haben, weglaufen und sich verstecken zu müssen. Oder das Gegenteil
tun wollen von dem, wozu Sie aufgefordert werden. Dianas instinktive
Reaktion war absoluter Terror.
Der aufsteigende Mondknoten kann wählen. Als Diana das Entsetzen überwunden
hatte, sagte sie: "Ich möchte Assagiolis Arbeit fortführen." Was
sie tat, ist interessant. Sie leugnete nicht, dass sie sich so sehr
davor fürchtete, vor Menschen zu reden. Sie visualisierte vielmehr
den Teil in sich, der sich so sehr fürchtete, verwundbar war
und unsicher über ihre Fähigkeit war, es gut machen zu
können. Diana stellte sich diesen Teil von sich selbst als kleines
Kuscheltier vor, und bevor sie eine öffentliche Rede hielt,
nahm sie das Kuscheltier auf den Arm und sprach mit ihm. Sie sagte: "Mach’ dir
keine Sorgen. Ich weiß, dass du da bist, aber ich werde nicht
zulassen, dass du die Herrschaft über mich gewinnst. Ich habe
dich, aber ich bin nicht du." Sie akzeptierte es, aber dann
beschloss sie, nach vorne zu gehen und die Aufgabe anzutreten, zu
lehren und Vorträge zu halten.
Ich versuche diese Geschichte als Beispiel für eine instinktive
Reaktion zu verwenden. Hätte Diana alleine aus Angst gehandelt,
dann wäre sie niemals nach vorne gegangen. Das wäre dann
so gewesen, als hätte der absteigende Mondknoten die Kontrolle übernommen.
Man handelt automatisch. Diana musste eine gewisse Anstrengung unternehmen,
ohne zu leugnen, dass ihre furchtsame Reaktion da war. Ich glaube,
wenn sie gesagt hätte: "Oh, großartig, ich werde
Vorträge halten, ich habe keine Angst, es wird gut gehen",
dann wäre sie nach vorne gegangen, hätte zu sprechen begonnen
und plötzlich wäre ihre Angst da gewesen. Es ist besser,
anzuerkennen, dass diese Angst da ist und sie zu integrieren, jedoch
von einer anderen Warte aus. Wenn man das tut, wird man heldenhafter
und solarer, weil man nicht von der Mondgöttin verführt
wird. Ich möchte die Mondseite nicht abwerten. Ich denke, es gibt
Momente, wo wir unseren Gefühlen mehr Raum geben und sie akzeptieren
müssen. Wir müssen unsere Gefühle immer akzeptieren
und ihnen ihren Platz lassen. Aber wir dürfen uns nicht ausschließlich
vom Gefühl leiten lassen. Ich rede nicht nur von Gefühlen.
Mit einem aufsteigenden Mondknoten in einem Wasserzeichen müssen
Sie regelrecht Gefühle entwickeln. Dann kann es bedeuten, dass
Sie nicht gewohnheitsmäßig alles mit dem Verstand steuern,
sondern, dass Sie ihre Gefühlen mehr zulassen. Es geht darum,
nicht einfach das zu tun, was automatisch kommt, sondern darum, die
instinktive Antwort anzuerkennen, und dann gemäß Zeichen
und Haus des Nordknotens eine Entscheidung zu treffen.
Wille und Wahl
Die Spannung oder der Konflikt, den die Mondknotenachse beschreibt,
hilft uns, den Willen zu entwickeln und die Fähigkeit, Entscheidungen
zu treffen. Nachfolgend einige Definitionen des Willens. Der Wille
ist das "geistige Mittel, das Bewusstsein in Handlung umwandelt." Ich
glaube, dass das eine sehr klare Definition ist – der Wille
nimmt Bewusstsein auf und leitet es in eine Handlung über. Es
gibt ein japanisches Sprichwort: "Wissen und nicht handeln ist
wie nicht wissen." In dem Stück Warten auf Godot , gibt
es eine interessante Stelle, an der jemand sagt: "Was sollen
wir tun?" Der andere antwortet: "Lass uns gehen!" und
dann folgt als Bühnenanweisung: Niemand bewegt sich. Kommt
Ihnen das bekannt vor?
Eine andere Beschreibung des Willens lautet "Brücke zwischen
Wunsch und Handlung". Diese Definitionen sollten Sie auf sich
wirken lassen, um den Willen zu begreifen. Ich bringe dies alles
in Bezug zum Lebensbereich des nördlichen Mondknotens. Jemand
sagte einmal: "Erinnerung ist das geistige Organ der Vergangenheit.
Wille ist das geistige Organ der Zukunft." Jedes Mal, wenn wir
eine Entscheidung treffen müssen, oder wenn wir dem aufsteigenden
Mondknoten nach Zeichen und Haus gerecht werden sollen, schöpfen
wir neue Möglichkeiten. Der Wille ist der Sitz der Willensäußerung.
Ich mag folgende Definition: "der verantwortungsvolle innere
Antreiber." Wir sprechen über eine kleine Anstrengung, über
das Bewusstsein darüber, dass man eine bestimmte Richtung wählt.
Wille ist der Akt zwischen Einsicht und Handlung. Es gibt etwas zwischen
Einsicht und Handlung, das man als Anstrengung oder Entschlossenheit
erfährt. Es ist nicht instinktiv. Es ist nicht das, was wir
aus Gewohnheit tun.
Hier noch eine weitere Definition: "Der Wille ist der Teil
der psychischen Struktur, der die Fähigkeit hat, Wahlen zu treffen
und durchzuführen." Wir Menschen haben ein sehr entwickeltes
Cortex, das ist der Teil des Gehirns, der für Entscheidungen
zuständig ist. Dieser steht im Gegensatz zum reptilienhaften" Gehirn,
des instinktiven, stereotypen Teils des Gehirns. Wenn man das Cortex
entfernt, dann bleiben manche Funktionen trotzdem erhalten. Das Cortex
ist für das bloße Überleben und für Körperfunktionen
nicht notwendig. Die Entwicklung des Cortex bedeutet, dass wir die
Fähigkeit haben, verschiedene Situationen zu sehen und dann
eine Entscheidung zu treffen. Dadurch unterscheiden wir uns von den
Tieren, weil diese stärker vorprogrammiert und instinkthafter
sind.
Ich würde den aufsteigenden Mondknoten mit diesem Bereich des
Gehirns in Verbindung sehen – mit der Cortex – und
den absteigenden Mondknoten eher mit dem animalischen oder instinktiven
Gehirn. Lassen Sie uns das noch deutlicher ausdrücken. Tracy
Marks gibt bestimmte Richtlinien für die Arbeit mit den
Mondknoten. Zuerst muss man ihrer Meinung nach die Lebensweise
des absteigenden
Mondknotens neu überarbeiten. Das heißt nicht, dass
man den absteigenden Mondknoten wegwirft. Aber man muss das Tierkreiszeichen
und den Lebensbereich, der durch das Haus angezeigt wird, in
dem
der absteigende Mondknoten steht, so konstruktiv und nutzbringend
wie möglich entwickeln, weil es sich um angeborene Talente
und Tendenzen handelt.
Wir überarbeiten unseren südlichen
Mondknoten, wir erhöhen ihn, wir versuchen, den Südknoten
von einer höheren Ebene aus zu leben. Das wird noch deutlicher,
wenn wir uns die Achse betrachten. Als nächstes, sagt Tracy
Marks, müssen
wir den aufsteigenden Mondknoten wecken. Als drittes, müssen
wir die Achse integrieren und beide Mondknoten in eine harmonische
Beziehung zueinander bringen - nicht den einen oder den anderen
leben, sondern die Achse ausbalancieren und harmonisieren. Die
Zeichen besagen, wie wir unsere Mondknotenenergien ausdrücken,
und die Häuser verdeutlichen, wo wir sie zum Ausdruck bringen.
Tracy Marks spricht sehr viel über die Herrscher der Mondknoten.
Damit meint sie die Planeten, die über das Zeichen regieren,
in dem sich der nördliche bzw. südliche Mondknoten befindet.
Wenn der aufsteigende Mondknoten im Widder steht, dann ist Mars der
Herrscher des aufsteigenden Mondknotens. Wenn der absteigende Mondknoten
in der Waage steht, dann ist die Venus Regentin des absteigenden
Mondknotens. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie
Ihre Mondknoten funktionieren, dann schauen Sie sich die Herrscher
des jeweiligen Mondknotens an. Wo stehen sie in Haus und Zeichen?
Ich habe festgestellt, dass das stimmt. Mit dem aufsteigenden Mondknoten
im 5. Haus hat man vermutlich die Aufgabe, den Selbstausdruck und
die Kreativität mehr zu entwickeln, weil das 5. Haus das Haus
des Selbstausdruckes ist. Der aufsteigende Mondknoten ist dort, wo
wir etwas entwickeln müssen und Waage und das 5. Haus besagen,
dass man sich selbst auf kreative oder harmonische Weise ausdrücken
soll. Wenn sich nun die Venus, Herrscherin des Nordknotens, im 10.
Haus befindet, dann kann man daraus eine Karriere machen. Wenn die
Venus sich im 11. Haus aufhält, dann wird sich diese Kreativität
mehr in Gruppen entfalten. Wenn Venus im 12. Haus steht, könnte
sie sich mehr in Krankenhäusern oder Institutionen entfalten,
oder auf privater Ebene. So kann man auch mit dem Herrscher des absteigenden
Mondknotens vorgehen. Um einen Sinn dafür zu bekommen, wo Ihre
Südknotenenergie sich ausdrücken kann, suchen Sie sich
den Planeten, der über das Zeichen herrscht, in dem sich der
absteigende Mondknoten befindet, und sehen Sie, in welchem Haus
er steht. Das gibt Ihnen mehr Informationen.
Entnommen
aus
Howard Sasportas:
Die Mondknotenachse - Der Schlüssel zum Horoskop.
Chiron Verlag, Tübingen, 2003.
(leicht gekürzte Fassung)
Dieses Buch
können Sie bestellen unter
www.astronova.com
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