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Unser nächstes Planetenpaar, zwei sich gegenseitig ergänzende
und auch gegensätzliche astrologische Prinzipien, besteht aus Venus
und Mars. In der Mythologie sind sie meist entweder ein Liebespaar oder
erbitterte Feinde, oft sind sie beides zugleich. Jung beschrieb die Komplexität
der Beziehung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen: “…Wir
neigen dazu, uns dies hauptsächlich als die Macht der Liebe und
Leidenschaft vorzustellen, durch die sich die beiden gegensätzlichen
Pole zueinander hingezogen fühlen; dabei vergessen wir jedoch, daß es
solch einer heftigen Anziehung nur dann bedarf, wenn ein ebenso starker
Widerstand die beiden auseinanderhält.” [22] Aus
psychologischer Sicht halten sich diese Planeten gegenseitig in einem
harmonischen Gleichgewicht. Venus ohne den Mars, und Mars ohne die Venus
sind recht bemitleidenswerte Wesen; ohne den jeweils anderen ist es bei
diesen beiden Planetenprinzipien sehr wahrscheinlich, daß es zu
Verzerrungen kommt und in der Folge alles schiefgeht.
Diese beiden Planeten werden in der Adoleszenzphase ungeheuer wichtig,
wenn wir unsere Individualität als einen Weg ausprobieren, uns von
der elterlichen Sonne-Mond-Matrix wegzuentwickeln oder uns dagegen abzugrenzen.
Venus und Mars haben mit den weiblichen und männlichen Seiten von
Verlangen und Sexualität zu tun; dabei handelt es sich um besonders
machtvolle Kräfte, die sich in der Adoleszenz einstellen und oft
nachgerade überwältigend sind. Venus und Mars sind extrem starke
psychische Kräfte, wobei Venus die Kraft der Anziehung darstellt,
und Mars die Kraft der Selbstbehauptung. Eine mögliche bildhafte
Darstellung davon wäre es, sich Venus als „Ei-Bewußtsein “ und
Mars als „Spermium-Bewußtsein“ vorzustellen. Venus
will anziehen und trifft eine Auswahl. Mars sieht sich im Wettbewerb
und will gewinnen.
Um eine verzerrte Venus, die verbittert, verschlagen, eifersüchtig
und besitzergreifend oder gierig, träge, eitel und selbstsüchtig
geworden ist, muß man sich kümmern. Die unverfälschten
archetypischen Eigenschaften von Venus – Liebe, Erfülltheit
und Freude – sind verlorengegangen. Auch um einen verzerrten Mars,
der gewalttätig, destruktiv, aggressiv und rücksichtslos oder
schwach geworden ist und sich selbst verleugnet, muß man sich kümmern.
Die reinen archetypischen Eigenschaften von Mars, die Gaben der Kraft
und Potenz, sind verlorengegangen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht
ist es von entscheidender Bedeutung, das volle kreative Potential von
Venus und Mars zu erforschen und zu entwickeln, denn gerade diesen beiden
lebensbejahenden Planeten entspringt unser persönliches Gefühl
der Freude, Erfüllung, Kraft und Potenz – Eigenschaften, die
es uns erst ermöglichen, unser Leben leidenschaftlich und mit Begeisterung
zu führen. Die Stellung von Venus und Mars in unserem Geburtshoroskop
zeigt uns, wie und wo wir diese Fähigkeiten in vollem Umfang entwickeln
müssen. Wie es schon bei Sonne und Mond der Fall war, sind auch
die Prinzipien von Venus und Mars nicht an ein bestimmtes Geschlecht
geknüpft, da wir ja in jedem Horoskop beide Planeten vorfinden.
Deshalb ist es für jeden Menschen wichtig, herauszufinden und zu
verstehen, wonach sich seine Venus sehnt und auf welche Weise sich sein
Mars behaupten muß.

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