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Jupiter und Saturn bilden ein weiteres Gegensatzpaar, das man im
weitesten Sinn als die Prinzipien von Expansion und Kontraktion, Zuversicht
und Furcht, Begeisterung und Zurückhaltung definieren kann. Wenn
sich diese beiden Planeten gegenseitig unterstützen, wird Saturn
der Vision und Zuversicht Jupiters Struktur und Form verleihen. Ohne
Saturn bliebe Jupiter ohne Grundlage und unrealistisch, er könnte
sich nicht in der Welt manifestieren. Ohne Jupiter wiederum würden
die von Saturn geschaffenen Strukturen sinnlos und nutzlos bleiben.
Jupiter ist ein Unternehmer mit einer Vision; Saturn ist die Fähigkeit,
diese Vision zu verwirklichen. Wir brauchen beides.
Als gesellschaftsbezogene Planeten beschreiben Jupiter und Saturn
unsere Erfahrungen mit der Außenwelt und unsere dementsprechenden Erwartungen.
Aus entwicklungspsychologischer Sicht fordern Jupiter und Saturn allmählich
ihre Rechte ein, wenn wir uns der Schwelle zum Erwachsenenleben nähern.
Irgendwann ist es für uns an der Zeit, uns auf die Welt der Erwachsenen
einzulassen, uns eine Arbeit zu suchen und finanziell wie emotional
für uns selbst zu sorgen; und unsere Vorstellungen davon, wie
einfach oder schwierig das zu bewältigen ist, werden gemäß der
Stellung von Jupiter und Saturn in unserem Horoskop durch die Reaktionen
der Außenwelt bestätigt.
Teilnehmerin: Das bedeutet also, wo diese beiden Planeten
beteiligt sind, bekommen wir, was wir erwarten?
Clare: Ja, und das ist eine sehr wichtige Feststellung. Da
es sich bei Jupiter um das Prinzip der Zuversicht, Begeisterung und
Expansion handelt, wird die Außenwelt uns oft den Gefallen tun,
uns gemäß der Jupiterstellung im Horoskop einen Pfad auf
der Sonnenseite des Lebens anzubieten. Saturn als das Prinzip der Furcht
und Zurückhaltung wird uns ebenso gern gefällig sein: er
wird uns all die von uns vorweggenommenen Hindernisse und Schwierigkeiten
bieten und damit ebenfalls unsere Erwartungen bestätigen.
Teilnehmerin: Heißt das, wenn wir unsere Erwartungen ändern, ändern
sich auch die Reaktionen der Außenwelt?
Clare: Die kurze Antwort auf diese Frage lautet ja, aber natürlich
ist es nicht so einfach wie es aussieht, denn es gibt einen natürlichen
psychischen Ausgleichsmechanismus zwischen den Prinzipien von Jupiter
und Saturn, der uns auf die Tatsache hinweist, daß beide gleichermaßen
angenommen und entwickelt werden müssen. Es liegt in der Natur
polarer Gegensätze, daß jeder von ihnen am äußersten
Extrempunkt in sein Gegenteil umschlägt. Wenn wir also beispielsweise
mit Blick auf Jupiter unser Glück auf die Probe stellen, werden
wir irgendwann ausgesprochen arrogant, überheblich, selbstgefällig
und leichtsinnig. Das ruft Saturn auf den Plan, so daß wir schließlich
soweit allein dastehen, daß man uns ausschließt, einschränkt
oder zurückweist. Zollen wir andererseits Saturn den gebührenden
Respekt, nehmen nichts einfach als gegeben hin, scheuen vor langen,
schweren Wegen nicht zurück, erdulden Isolation, Pessimismus und
Zeiten der Niedergeschlagenheit, so finden wir am Ende mit etwas Glück
zu einer tiefen, „hart erarbeiteten“ Zuversicht in uns,
die auf dem felsenfesten Boden eigener Erfahrung gründet und die
uns nichts und niemand mehr nehmen kann. Dann haben wir Jupiter gefunden.
Offensichtlich ist keiner der beiden Wege in Extremform besonders ratsam.
Wir müssen eine positive Beziehung zwischen diesen beiden Planeten
unseres Geburtshoroskops herstellen, damit keiner von ihnen übermächtig
wird und sich beide gegenseitig unterstützen.
Als gesellschaftsbezogener Planet herrscht Jupiter über die wohlmeinenden
Seiten der Gesellschaft, Saturn dagegen über diejenigen, die uns
einschränken. Jupiter herrscht über unsere Bürgerrechte
und all die Annehmlichkeiten, die unsere Regierung oder Gesellschaft
ihren Bürgern gewährt: Arbeitsschutz und Gleichberechtigung,
Kinder- und Arbeitslosengeld, Hilfen bei gerichtlichen Auseinandersetzungen,
Krankenhäuser, Müllabfuhr, Sportvereine, Konzerthallen, Büchereien,
Schulen und Universitäten. In diesem Sinne herrscht Jupiter auch über
diejenigen, deren Aufgabe es ist, all diese Dinge zur Verfügung
zu stellen. Als Kinder oder solange wir psychologisch infantil bleiben,
erwarten wir, daß „sie“ die fürsorglichen Eltern
spielen, die sich um alle unsere Bedürfnisse kümmern, ohne
daß wir selbst etwas dazu tun müßten.
Saturn herrscht über das strenge Gesicht der Gesellschaft sowie über
alle Gesetze und Einrichtungen, die dem Schutz und der Sicherheit der
Bürger dienen: Polizei und andere bewaffnete Kräfte, Gefängnisse
und Aufbewahrungsanstalten, Regeln und Gesetze, Gerichte, Bußgelder,
Gefängnisstrafen und andere Bestrafungen. Als Kinder oder solange
wir psychologisch infantil bleiben, erleben wir „sie“ oft
als die einschränkenden, kritischen Eltern, gegen die wir uns
zwar auflehnen, die aber ihre Macht über uns ausüben, solange
wir ihnen ausgeliefert sind.
Wenn wir im psychologischen Sinn erwachsen werden wollen, müssen
wir uns die Prinzipien von Jupiter und Saturn letztlich zu eigen machen
und sie in unsere eigene Psyche integrieren. Das bedeutet, wir müssen
unseren eigenen Jupiter finden, unseren eigenen Göttervater, die Überzeugungen
und Prinzipien, die unserem Leben Sinn verleihen – und diese
können durchaus von der uns umgebenden Kultur abweichen. Und wir
müssen unseren eigenen Saturn finden, unsere eigene innere Autorität
und unsere eigenen persönlichen Gesetze, nach denen wir uns richten.
Sobald wir diese beiden Prinzipien soweit entwickeln können, daß wir
die Gesellschaft nicht mehr brauchen, um sie für uns aufrechtzuerhalten
oder zu projizieren, können wir selbst einen sinnvollen und wertvollen
Beitrag zu der Gesellschaft leisten, in der wir leben.

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